Einführung
Mit der Kaufman - Assessment Battery for Children erschien ein in
Durchführung und theoretischem Hintergrund innovativer
Intelligenztest, der im deutschen Sprachraum zu dem am häufigsten
bei Vorschul- und Schulkindern eingesetzten Verfahren wurde.
Mit dem Kaufman - Neuropsychologischer Kurztest (K-NEK;
2004) und dem Kaufman - Test zur Intelligenzmessung (K-TIM; 2006) stehen nun zwei Verfahren mit
unterschiedlichen diagnostischen Aufgaben zur Verfügung, die ab
dem Alter von 11 Jahren bis ins Senium einsetzbar sind. Damit wird das
Kaufman - Testystem auch für Jugendliche und Erwachsene anwendbar.
Der Kaufman - Neuropsychologischer Kurztest (K-NEK) erlaubt eine
grundlegende Beurteilung kognitiver Funktionen im Sinne eines
Screenings und basiert auf kognitions- und neuropsychologischen
Theorien, vor allem auf der zentralen Denktheorie von Luria. Das
Verfahren umfasst vier Untertests auf den drei Niveaus kognitiver
Komplexität, die die verschiedenen Bereiche bzw. Blöcke der
zentralen Denktheorie repräsentieren.
Der Kaufman - Test zur Intelligenzmessung (K-TIM) schließt
konzeptionell an die K-ABC an und ermöglicht wie diese eine
differenzierte Verhaltensbeobachtung. Das Verfahren umfasst 10
Untertests und dient zur Beurteilung intellektueller
Leistungsfähigkeit auf Grundlage der erweiterten
Intelligenztheorie von Horn und Cattell, deren Schwerpunkt die
Dichotomie fluider gegenüber kristallinen Intelligenzfunktionen
ist.
In der Vorführung werden die beiden Verfahren in theoretischem
Hintergrund, Entwicklung und Anwendung von den Originalautoren, Alan
& Nadeen Kaufman, sowie den Adaptionsautoren
vorgestellt.
Programm
| Alan S. Kaufman |
From David Wechsler to the German K-TIM and
K-NEK:
35 Years in the Eye of the IQ Storm |
| Peter Melchers |
Reliabilität und Validität des
Kaufman-Test zur Intelligenzmessung (K-TIM) für Jugendliche und
Erwachsene |
| Nadeen L. Kaufman & Alan S. Kaufman |
Theoretical and Clinical Approaches to the
Interpretation of the German K-TIM and K-NEK
|
| Stephanie Schürmann |
Screening mit dem
Kaufman-Neuropsychologischen Kurztest (K-NEK)
|
From David Wechsler to the German K-TIM and K-NEK:
35 Years in the Eye of the IQ Storm
Alan S. Kaufman
Dr. Alan S. Kaufman has been on the firing line of IQ controversy since
1970-the year that he earned his PhD under the tutelage of Robert L.
Thorndike and also began to work closely with his main mentor, David
Wechsler, on the revision and restandardization of the WISC. Since that
time, he has remained steadfastly at the forefront of IQ assessment
with his books on clinical interpretation and his tests (developed with
Nadeen Kaufman) on the assessment of cognition, IQ, and achievement. He
has experienced first-hand the impact of the field of learning
disabilities on test use and interpretation, and the vitriol of
activists in their attacks on the IQ construct. He has weathered
controversies over his method of profile interpretation and has dealt
directly with the emotional responses of both the media and
psychologists to the K-ABC, the first theory-based clinical measure of
intelligence. Throughout, Dr. Kaufman has maintained his emphasis on
intelligent testing, his deep-seated belief in the clinical skills and
insights of practitioners, and his sense of humor. In this talk, Dr.
Kaufman discusses David Wechsler, both the man and the legend, and
recounts his own diverse experiences in helping to shape the way IQ
tests have been developed and interpreted during the past four decades
within the US, Europe, and Asia.
Reliabilität und Validität des Kaufman-Test zur
Intelligenzmessung (K-TIM) für Jugendliche und Erwachsene
Peter Melchers
Die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie weit verbreitete K-ABC
gewährleistet eine stark verarbeitungsbezogene
Intelligenzdiagnostik bei Kindern bis zum Alter von 12;5 Jahren. Die
auf der Forschung zur zerebralen Spezialisation (Sperry u.a.) und
Lurias zentraler Denktheorie gründende Differenzierung in
sequenzielle und simultane Verarbeitungsanteile ist bei Kindern
klinisch-diagnostisch effizient, aber für Jugendliche und
Erwachsene nicht valide darstellbar. Deren leistungsdiagnostische
Beurteilung erfordert die stärkere Berücksichtigung von
Exekutivfunktionen und von Fähigkeiten zu formal-operationalem
Denken sensu Piaget.
Der Kaufman-Test zur Intelligenzmessung (K-TIM; Melchers,
Schürmann & Scholten, 2006) ist die Adaption des Kaufman
Adolescent and Adult Intelligence Test (KAIT), der 1993 von Kaufman
& Kaufman in den USA veröffentlicht wurde. Der K-TIM
schließt konzeptionell an die K-ABC an und ermöglicht wie
diese eine differenzierte Verhaltensbeobachtung. Das Verfahren dient
zur Beurteilung intellektueller Leistungsfähigkeit auf Grundlage
der erweiterten Intelligenztheorie von Horn und Cattell, deren
Schwerpunkt die Dichotomie fluider gegenüber kristallinen
Intelligenzfunktionen ist. Das Verfahren umfasst 10 Untertests und ist
anwendbar im Altersbereich von 11 bis über 80 Jahren. Zwei
Untertests gestatten die differenzierende Beurteilung verzögerter
gegenüber unmittelbaren Gedächtnisleistungen. Das
Interpretationsvorgehen folgt Kaufmans "Intelligent testing"-Ansatz,
der die Identifizierung individueller Stärken und Schwächen
in den Vordergrund stellt.
Nachdem verschiedene Evaluationsstudien durchgeführt wurden,
erfolgte die Normierung in Deutschland, Österreich, der Schweiz
und Südtirol (N = 2009). Die vorliegenden Ergebnisse von
klinischen und Feldstichproben zeigen, dass der K-TIM eine reliable,
valide und stark differenzierende Intelligenzdiagnostik auf solider
theoretischer Grundlage gestattet.
Der K-TIM wird in seiner theoretischen Grundlage und inhaltlichen
Ausgestaltung vorgestellt, vorliegende Evaluationsergebnisse werden
hinsichtlich Reliabilität und Validität diskutiert.
Theoretical and Clinical Approaches to the Interpretation of
the German K-TIM and K-NEK
Nadeen L. Kaufman & Alan S. Kaufman
The K-ABC was developed from the perspective of neuropsychological
theory, most notably Luria's constructs of Sequential and Simultaneous
Processing. Similarly, the K-SNAP (K-NEK) was developed from Luria's
theory, although the constructs that underlie the K-SNAP (K-NEK) extend
beyond the processing dichotomy and also encompass Attention and
Planning Ability. In contrast to the K-ABC and K-SNAP (K-NEK), the KAIT
(K-TIM) is rooted in Horn's psychometric constructs of Fluid and
Crystallized Intelligence, two of the key Broad Abilities that are
included in the Cattell-Horn-Carroll (CHC) theory of intelligence. In
this talk, Drs. Nadeen and Alan Kaufman discuss the Luria and CHC
theories and explain how they form the basis for interpreting the
K-SNAP (K-NEK) and KAIT (K-TIM), respectively. In addition, they (a)
explain how the two theories interface with each other, and (b) how the
Fluid-Crystallized dichotomy differs in important ways from Wechsler's
familiar Verbal-Performance dichotomy. Finally, they discuss clinical
aspects of the KAIT (K-TIM) and K-SNAP (K-NEK) subtests, including the
comparison of initial learning with delayed recall.
Screening mit dem Kaufman-Neuropsychologischen Kurztest (K-NEK)
Stephanie Schürmann
Der Kaufman-Neuropsychologischer Kurztest (K-NEK; Melchers &
Schürmann, 2004) kann in vielfältiger Weise von
Neuropsychologen, klinischen Psychologen, Geriatern, Psychiatern und
Neurologen in einem Altersbereich von 11 bis über 80 Jahren
angewendet werden. Es handelt sich um die Adaption der Kaufman-Short
Neuropsychological Assessment Procedure (K-SNAP; Kaufman & Kaufman,
1994). Im Kaufman - Testsystem schließt der K-NEK ebenfalls an
den von der K-ABC erfassten Altersbereich an, dient jedoch nicht der
differenzierten Beurteilung intellektueller Fähigkeiten.
Der K-NEK erlaubt eine grundlegende Beurteilung kognitiver Funktionen
im Sinne eines Screenings und basiert auf kognitions- und
neuropsychologischen Theorien, vor allem auf der zentralen Denktheorie
von Luria. Das Verfahren umfasst vier Untertests auf den drei Niveaus
kognitiver Komplexität, die die verschiedenen Bereiche bzw.
Blöcke der zentralen Denktheorie repräsentieren:
Block I [Wachheit und Orientierung] wird durch den Untertest
"Orientierung" repräsentiert, der die klassische klinische
Prüfung der Orientierungsfunktionen in eine standardisierte und
normierte Form bringt.
Block II [Wahrnehmungs- und Verarbeitungsebene] umfasst die Untertests
Gestaltschließen und Zahlennachsprechen. Insofern gestattet der
K-NEK die orientierende Beurteilung sequenzieller und simultaner
Verarbeitungsaspekte bei Jugendlichen und Erwachsenen, die in der K-ABC
das theoretische Fundament der differenzierten Intelligenzdiagnostik
bei Kindern gewährleisten.
Block III [Exekutivfunktionen] besteht aus dem Untertest Wortsuche,
durch den Handlungs- und Planungsfunktionen als Anteil der
Exekutivfunktionen beurteilt werden sollen.
Neben Untertest- und Gesamtskalenergebnissen erlaubt der K-NEK die
Berechnung eines Beeinträchtigungsindex als einfaches, aber
objektives Maß kognitiver Funktionsbeeinträchtigung.
Nach Abschluss der Normierung in Deutschland, Österreich, der
Schweiz und Südtirol (N = 2544) wurde der K-NEK im März 2004
veröffentlicht. Im Vortrag werden theoretische Grundlagen und
praktische Anwendungsmöglichkeiten, Reliabilität und
verschiedene Validitätsaspekte dargestellt.
Zu den Autoren:
Dr. Alan S. Kaufman ist Professor für klinische
Psychologie am Yale Child Study Center derYale University School of
Medicine in New Haven, Connecticut. Schon in seiner Dissertation
"Comparison of tests built from Piaget's and Gesell's tasks: An
analysis of their psychometric properties and psychological meaning",
die er unter Robert Thorndike an der Columbia University anfertigte,
beschäftigte er sich mit psychometrischer Diagnostik. Es folgten
Forschungs- und Lehrtätigkeiten an verschiedenen nationalen
Forschungsinstituten und Universitäten in verschiedenen
US-Bundesstaaten sowie in Schweden. Ende der 60er Jahre arbeitete Alan
Kaufman als erster Assistent von David Wechsler bei der Psychological
Corporation und war so maßgebend an der Revision der
Wechsler-Intelligence Scale for Children beteiligt. Noch vor der
Veröffentlichung eigener Testverfahren erlangte er
größte Reputation mit Forschung und Büchern zu den
Wechsler-Tests, aktuelles Beispiel ist Essentials of WISC-IV Assessment
mit D.Flanagan (2004; New York: Wiley). Gemeinsam mit seiner Frau
Nadeen entwickelte Alan Kaufman eine Vielzahl von Testverfahren, die in
verschiedenen anderen Kulturen adaptiert wurden und intensiv verwendet
werden.
Dr. Nadeen L. Kaufman ist Dozentin an der klinischen
Fakultät des Yale Child Study Center der Yale University School of
Medicine in New Haven, Connecticut. Mit den Schwerpunkten
Pädagogischer Psychologie, Sonderpädagogik und
Neurowissenschaften beschäftigte auch sie sich schon früh mit
testgestützter Diagnostik, so in ihrer Dissertation "Reversals and
reading: Validation and standardization of the Horst Reversals Test for
black and white first-grade children", die sie unter Margaret Jo
Shepherd an der Columbia University anfertigte. Nadeen Kaufman war
lange als Professorin und Direktorin der "Psychoeducational Assessment
Services" der California School of Professional Psychology tätig
sowie als Direktorin der "Psychoeducational Clinic" des Mesa Vista
Hospitals in San Diego. Davor war sie als Dozentin und
Assistenzprofessorin an verschiedenen Universitäten tätig.
Über die vielen mit ihrem Mann Alan veröffentlichten
Aufsätze, Bücher und Tests hinaus ist Nadeen Kaufman
Gründungsherausgeberin diverser Buchreihen, so der "Essentials of
Mental Health Practice" und der "Essentials of Behavioral Science"
(beide bei Wiley).
Dr. Peter Melchers studierte Psychologie und Medizin an
der Universität zu Köln. Bei seinem Doktorvater Udo Undeutsch
promovierte er über die Adaptation der K-ABC für den
deutschen Sprachraum und arbeitete im Rahmen der forensischen
Gutachtertätigkeit mit. Nach langjähriger Tätigkeit an
der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität
zu Köln und Co-Leitung eines Forschungsprojekts zur frühen
Rehabilitation nach schweren Schädel-Hirn-Traumen arbeitet er als
Chefarzt dieser Fachrichtung am Kreiskrankenhaus Gummersbach. Nach
Veröffentlichung der deutschsprachigen Fassung der K-ABC (mit
Ulrich Preuß) wurde Peter Melchers als Co-Autor verschiedener
anderer Testentwicklungen und -bearbeitungen tätig.
Dipl. Psych. Stephanie Schürmann studierte
Psychologie in Bielefeld und Bonn. Schon während des Studiums kam
sie als Praktikantin in Kanada mit verschiedenen Kaufman - Tests in
Kontakt. Ihr Hauptinteresse gilt der psychotherapeutischen Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen in Klinik und Forschung. So machte sie als
Co-Autorin des Therapieprogramms für hyperkinetisches und
oppositionelles Problemverhalten (THOP) auf sich aufmerksam. Stephanie
Schürmann arbeitet in der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu
Köln.
Dipl. Psych. Stefan Scholten studierte Psychologie an der
Universität zu Köln und war schon während des Studiums
wesentlich an mehreren Projekten zur Rehabilitationsforschung sowie zur
Evaluation von Diagnostika beteiligt. Neben dem ausgeprägten
Interesse für diagnostische Fragestellungen ist er
überwiegend psychotherapeutisch tätig. Stefan Scholten
arbeitet als therapeutischer Leiter der Station für
psychosomatische Erkrankungen am Kreiskrankenhaus Gummersbach.
Sie können diesen Text auch als PDF-Datei
herunterladen: Einladung zur
Vorführung (Adobe Acrobat Reader Datei: (pdf) 75 kB.
Klicken Sie hier damit Sie Acrobat Reader downloaden - freeware.)
Für Broschüren und weitere Informationen über K-NEK und
K-TIM klicken Sie hier: K-NEK und K-TIM |